„Qualität ist unabdingbar“ 2020-03-16T15:50:22+00:00

Project Description

„Qualität ist unabdingbar“

 Ein Interview mit Florian Herbst, Ansprechpartner für die Fertigungsdienstleistung bei InnoSenT.

Das mittelständische Unternehmen InnoSenT setzt als EMS-Dienstleister auf Qualität, Zuverlässigkeit und Individualität.

Die InnoSenT GmbH zählen zu den führenden Radartechnikunternehmen weltweit. Mit innovativen Produkten treiben sie die Radarentwicklung maßgeblich an. Doch was viele nicht wissen, die mittelständische Firma baut einen weiteren Geschäftsbereich aus:

InnoSenT ist seit einigen Jahren als EMS-Dienstleister tätig.

Wie sich die Auftragsfertigung entwickelt und welche Besonderheiten das Unternehmen seinen Kunden bietet, erfahren Sie von EMS-Vertriebsmitarbeiter Florian Herbst.

Die Nachfrage nach Ihrer Radarsensorik wächst seit der Unternehmensgründung im Jahr 1999 unaufhörlich. Wie kommt also ein erfolgreiches Radartechnik-Unternehmen auf den Gedanken neue Wege zu gehen und zusätzlich EMS-Dienstleister zu werden?

FH: Auch wenn diese Entwicklung auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirken mag, ist sie gar nicht so abwegig. Durch unsere Technik und Innovationsstärke ist der Erfolg als Radarexperte in Zukunft ziemlich sicher. Das ganze Team zeigt starken Pioniergeist, strebt nach Weiterentwicklung und treibt den technischen Fortschritt voran.

Und genau das veranlasste die Geschäftsführung von InnoSenT auch dazu, diesen neuen Weg zu gehen. Bei der Entscheidung zur Fertigungsdienstleistung sahen sie die Chance, das Unternehmen weiterzuentwickeln, Kompetenzen zu fördern und effizient zu nutzen.

Die Idee kam ja nicht über Nacht. Bei dieser strategischen Entscheidung spielten viele verschiedene Faktoren mit rein.

 Verraten Sie uns, welche Faktoren das waren?

 FH: Ja, gerne. Dazu trugen zum einen unternehmensinterne Entwicklungen, zu anderen auch die damalige Marktsituation bei.

Durch unsere Eigenproduktionen und gemeinsamer Entwicklungsprojekte mit Kunden sammelten wir früh wichtige Erfahrungen. Ausschlaggebend war dann ein kundenspezifisches Produkt, welches wir im Jahr 2009 nach der Entwicklungsphase in unseren Werkshallen fertigten. Wir stellten unsere Fertigungsexpertise im HF-Bereich zur Verfügung, anschließend übernahmen wir hier erstmals den Gesamtgerätebau.

Nach und nach kamen mehr solche Aufträge hinzu, bei denen wir unsere Radarkunden mit der Elektronikfertigung unterstützten. 2015 fiel dann der endgültige Startschuss für InnoSenT als EMS-Anbieter mit einem Fremdfertigungsauftrag im Bereich Kameratechnik.

Wie erwähnt begünstigten auch Veränderungen in der Industrie den Ausbau des Services bei InnoSenT. Maßgebend war der schwächelnde Automotive Sektor. Bei einer schwachen Konjunktur investieren Unternehmen selten in neue Maschinen. Um bei der Produktion jedoch keine Abstriche machen zu müssen, setzen sie auf die Fertigungsdienstleistung. InnoSenT verfügt heute wie damals über modernste technische Anlagen, von denen die Kunden profitieren.

Außerdem betrafen uns die Unsicherheiten der Automobilbranche als Radartechnikhersteller ebenfalls. Wir nutzten frei gewordene Kapazitäten für die Auftragsfertigung.

Seit 2018 ist die EMS-Dienstleistung bei InnoSenT nun ein eigenständiger Geschäftsbereich.

Die EMS-Branche ist ein hartes Pflaster: Wie erging es InnoSenT seit 2015?

 FH: Die erste Zeit war es natürlich sehr mühsam. Die Branche boomt damals wie heute. Neben Dienstleistern aus Billigproduktionsländern, konkurrieren wir auch seit Beginn mit Großkonzernen und zahlreichen Mittelständlern allein im DACH-Verband. Es ist ein reiner Verdrängungswettbewerb. Sich da einen Namen zu machen ist herausfordernd. In der Regel waren wir abseits der Radartechnik der Industrie kein Begriff. Wir mussten uns erst bewähren.

Doch zum Glück starteten wir nicht direkt bei null. Mit Hilfe unseres Netzwerks fassten wir schnell Fuß. Außerdem haben wir einige Vorzüge für Kunden, die uns von Konkurrenten abhebt. Seit 2015 haben wir uns stark weiterentwickelt, um die Dienstleistung Schritt für Schritt weiter auszubauen. Seit zwei Jahren ist EMS ein eigenständiger Geschäftsbereich bei InnoSenT. Es ist ein fleißig wachsendes Pflänzchen.

Heute kann ich durchaus sagen, InnoSenT hat sich in der EMS-Branche erfolgreich etabliert.

Mit welchen Herausforderungen sah sich InnoSenT auf diesem Weg konfrontiert?

 FH: Da gab es natürlich einige. Beispielsweise mussten wir Denkweisen ablegen. Unser Team war es gewohnt für den hoch volumigen Automotive Markt zu fertigen. Im EMS-Bereich steht jedoch die Individualität aber auch die Flexibilität im Vordergrund. Da sind Prototypen sowie Klein- oder Mittelserien Aufträge eher gefragt.

Mit zunehmender Auftragszahl bauten wir außerdem das Team und die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter aus. Wir erweiterten stetig unsere Expertise und investierten in den Maschinenpark.

Zum Beispiel schafften wir eine Flying Probe für individuelle Bauteiltests an. Und wir eigneten uns für Kundenprojekte Fachkenntnisse an, wie das Kalibrieren und Scharfstellen von Kameraoptiken. Das ist ein relativ langer Lernprozess, doch diesen Aufwand nehmen wir gerne in Kauf. Wir haben hier an uns selbst sehr ehrgeizige Ansprüche.

Weitere Herausforderungen waren für uns auch die Einführung von branchenspezifischen Normen und die Umsetzung kundenspezifischer Anforderungen wie die IRIS-Zertifizierung.

Ein anderer Aspekt, der den ganzen Markt betrifft, ist Knappheit von elektronischen Bauteilen. Derzeit ist die Lage etwas entspannter. Wir stehen jedoch in ständiger Marktbeobachtung. Wir suchen bereits proaktiv passende Alternativen für unsere Kunden und sichern langfristig Bauteile, um Verfügbarkeit zu garantieren.

Alle Weichen im Unternehmen sind gestellt, um reibungslose Abläufe und eine optimale Projektbetreuung zu realisieren.

Sie sprachen gerade die IRIS-Zertifizierung an. Wie wichtig war dieser Schritt für Sie?

 FH: Qualität ist für sehr wichtig. Wir haben in der Zertifizierung nach ISO/TS 22163 die Chance gesehen, uns weiterzuentwickeln und den EMS-Bereich zu stärken.

Ein kluger Schachzug, wenn man bedenkt wie wenig EMS-Anbieter es in Deutschland mit dem IRIS-Zertifikat gibt. Für die Bahnindustrie ist dieser Qualitätsstandard Grundvoraussetzung.

Ohne diese Qualifikation kommt man als Produzent oder Lieferant nicht in Frage. Wir stehen nun also gemeinsam mit bekannten Marktführern auf einer Liste und schaffen es auch als mittelständisches Unternehmen das hohe Qualitätsniveau optimal umzusetzen.

Und der Aufwand lohnt sich. Wir konnten bereits den ersten Großauftrag mit einem Umsatz im siebenstelligen Bereich für uns gewinnen.

 „Qualität bis ins kleinste Detail“ – damit werben Sie auch. Doch weshalb ist Ihnen dieser Aspekt für die Elektronikfertigung so wichtig?

 FH: Das außergewöhnliches Qualitätsdenken ist unseren eigenen Produkten zuzuschreiben. Denn Produktinnovation setzen sich nur am Markt durch, wenn auch die Qualität stimmt. Hinzu kommt: Unsere Radartechnik ist da im Einsatz, wo Zuverlässigkeit enorm wichtig ist. Beispielsweise sorgen sie als Fahrerassistenzsystem für Sicherheit.

Hohe Qualitätsansprüche und Traceability sind deswegen für uns selbstverständlich.

Diese Haltung prägt alle Unternehmensbereiche und Fertigungsprozesse bei InnoSenT, unabhängig des Produkts oder der Branche.

In unserer Fertigung haben wir zusätzliche hohe Prüfstandards integriert. Alle Produkte durchlaufen standardmäßig viele Tests, bis sie zum Kunden raus gehen. Das geht sogar so weit, dass wir die Erwartungen unseres Klientels übertreffen und gerne mal übergenau sind.

Minimale Abweichungen bessern wir nach, obwohl diese noch im Toleranzbereich des Kunden liegen. Bekanntlich ist einen Patzer auszugleichen schwer, das gilt auch im Verdrängungsmarkt der EMS-Branche.

Qualität ist für die Elektronikfertigung unabdingbar.

Qualität ist also Ihre Stärke. Doch reicht das bei so vielen Anbietern, die mit dem „Made in Germany“- Siegel locken aus? Wie behaupten Sie sich gegen Ihre Konkurrenz?

FH: Ja, in diesem hart umkämpften Markt langt es nicht allein auf Qualität zu setzen. Deswegen legen wir zudem Wert auf Individualität und Flexibilität. Gerade im Vergleich zu Großkonzernen haben wir hier einige Vorteile. Die flachen Hierarchien ermöglichen schnelle und kurze Entscheidungswege und der Bürokratie-Aufwand bleibt gering. Unsere Experten stehen dafür abteilungsübergreifend in direkter Kommunikation. Diese Flexibilität macht die Projektabwicklung für unseren Auftraggeber angenehmer und unkomplizierter.

Wenn Kunden individuelle Lösungen oder rasch Änderungen benötigten, setzen wir alle Hebel in Bewegung. Bei Bedarf passen wir gewohnte Abläufe an, um mehr für sie herauszuholen oder spezifische Wünsche umzusetzen. Der Kunde ist auch frei in der Wahl, welche Dienstleistungen oder Fertigungsprozesse in Anspruch nehmen möchte.

Es gibt keine 08/15 EMS-Betreuung, wir passen uns den Kundenanforderungen an.

Eine weitere Besonderheit, die uns von der Konkurrenz abhebt, ist natürlich unsere Expertise im Bereich HF-Entwicklung. Kunden, die bei uns Ihre Fertigung in Auftrag geben, profitieren von einem leistungsstarken Entwicklungsteam, die Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wenn wir Ideen zur Optimierung der Projektumsetzung oder des Produkts haben, teilen wir diese unseren Kunden mit. Oft wirkt sich das positiv auf den Preis aus.

Was schätzen Ihre Kunden an InnoSenT?

FH: Das können wir sogar sehr genau sagen. Denn wir führen regelmäßig ausführliche Kundenbefragungen durch. Zum einen erhalten wir immer sehr positive Resonanz für unsere persönliche Kundenbetreuung und offene Kommunikation. Die Kunden loben außerdem das ausgeprägte Qualitätsbewusstsein. Für die Zuverlässigkeit bekommen wir ebenfalls Bestnoten. Darauf sind wir sehr stolz. Wir bemühen uns, Kunden mit unserer Arbeit und zuvorkommenden Service zu begeistern.

Elektronikfertigung und der Maschinenpark gehen Hand in Hand. Auf welche Technologien setzen Sie?

Wir fertigen auf hocheffizienten Maschinen, die auf dem aktuellen Stand der Elektronikfertigung sind. In unserem Werk befinden sich Standards wie die Laserbeschriftung oder die 3D-SPI. Aber auch außergewöhnliches, technisches Equipment, beispielsweise für branchenspezifische Anfertigungen, haben wir in unserem Repertoire. Ein Beispiel dafür ist der In-Line-Vakuum-Ofen, den wir bei Bedarf zuschalten. Oder das Selektivlöten: Bei der THT-Bestückung löten wir individuell und punktuell; also nicht mit einer Welle.

Aufgrund des hohen Qualitätsanspruchs ist unsere Prüf- und Messtechnik für uns von großer Bedeutung. Alles durchläuft bei uns den AOI und erhält eine Plausibilitätsprüfung, bevor wir es ausliefern. Wir rüsten den Maschinenpark ständig nach und investieren in neue Einheiten oder technische Neuerungen, um die Elektronikfertigung zu optimieren und Kapazitäten sowie unseren Leistungsumfang zu erweitern.

Welche Pläne haben Sie für den Geschäftsbereich EMS in diesem Jahr?

Bei InnoSenT haben wir uns zum Ziel gesetzt, den EMS-Bereich als dritte tragende Säule im Unternehmen auszubauen. Das bedeutet, er soll gleichauf mit der Automotiven und die Industriellen Radarentwicklung stehen. Wir wollen Präsenz als EMS-Dienstleister zeigen. Im Fokus steht die Gewinnung von Neukunden. Aufgrund unserer neuen IRIS Zertifizierung sehen wir uns für die Bahntechnik bestens aufgestellt.

Als erfahrender EMS-Vertiebsmitarbeiter, wie wird sich die EMS-Dienstleistung entwickeln?

Ich beobachte natürlich den Markt und erfahre durch das Kundengespräch sehr viel. Die Branche in der DACH-Region ist stetig gewachsen. Ich denke, in den nächsten Jahren tut sich hier noch einiges, trotz der Konkurrenz aus Billigländern. Denn der Preis ist eben nicht alles. Regionale Dienstleistung bietet mehr Flexibilität und bessere Kommunikation.

Spannend sind auch die zukünftigen Entwicklungen, die bedingt durch die Digitalisierung auf uns zukommen. Smarte Kommunikation ermöglicht eine bessere Vernetzung zwischen Kunden und EMS-Anbieter. Die Projektprozesse werden einfacher und nachvollziehbar. Schon heute sind wir beispielsweise mit dem SAP unserer Kunden verknüpft.

Und auch die Fertigungsmaschinen werden durch die Industrie 4.0 effizienter.

Als EMS-Dienstleister setzt man auf neueste Technologien. Die Branche könnte also zudem davon profitieren, dass Kunden weniger in neue, teure Maschinen investieren. Womöglich vergeben sie ihre Elektronikfertigung bei einer schwachen Konjunktur an EMS-Dienstleister aus der Region, um flexibel zu bleiben und auf innovative Fertigungsverfahren zuzugreifen.

Vielen Dank für das Interview.


Zur Person

Florian Herbst ist seit Beginn des Jahres 2018 bei InnoSenT beschäftigt. Er war somit Teil der Entwicklung, wie die EMS-Dienstleistung bei InnoSenT zum eigenständigen Geschäftsbereich wurde. Als Sales Representative ist er für den Kundeninnen- und Außendienst sowie Vertriebstätigkeiten des EMS-Bereichs zuständig. Dazu zählen Aufgaben wie die Beratung über das Dienstleistungsangebot, Betreuung der Bestandskunden während Fertigungsprojekte, aber auch die Gewinnung von Neukunden. Er steht Interessenten und Kunden bei Fragen und Anregungen zu Verfügung und fungiert als Sprachrohr für kundenspezifische Wünsche und Anforderungen.

Mein größtes Highlight bei InnoSenT war bisher das Verlagerungsprojekt eines Großkunden. Dieser fertigt nicht mehr nur eins seiner Systeme bei uns, sondern verlagerte nun alle Systemvarianten zu InnoSenT. Für das Jahr 2020 bahnen sich bereits tolle Projekte an. Wir übernehmen zum Beispiel den Gesamtgerätebau von einem Kunden aus der industriellen Radarsensorik. Außerdem freue ich mich natürlich besonders auf den Ausbau des EMS-Bereichs und den dadurch stetig wachsenden Kundenkontakt.“, so Florian Herbst über seine Tätigkeit als Ansprechpartner für die EMS-Dienstleistung bei InnoSenT.

Florian Herbst
Sales Representative EMS

Telefon: +49-9528-9518-1274
E-Mail: Florian.herbst[at]innosent.de